Da müssen Sie nicht hin. Für uns war es schon schlimm genug. Neun rund­um schreck­liche Ur­laube an den belieb­testen Reise­zielen der Welt: Serifos: Wir fingen uns den Ruf ein, kaputte Städter zu sein, denen nichts gut genug war Ver­zei­hung bitte gleich vor­ab, wenn Sie, im krassen Gegen­satz zu mir, die grie­chi­sche Kyk­la­den­insel Seri­fos lie­ben soll­ten. Bloß weil es mir selbst kom­plett un­vor­stell­bar erscheint, dass man dort eine gute Zeit verbringen kann, heißt das ja noch lange nicht, dass andere (Hitz­schlag?) auf diesem glut­ge­back­enen, unwirt­li­chen Fel­sen nicht das Para­dies auf Er­den fin­den. Seri­fos, der Name leitet sich, hahaha, vom alt­grie­chi­schen Aus­druck stei­ros,ste­ril, un­frucht­bar ab. Serifos also, in meiner Familie nur noch Sisy­phos genannt, ist der letzte Stopp einer Fähre, die von Piräus ab­legt, man kann und sollte unter­wegs schon in Kythnos, Kimo­los, Milos und Sif­nos von Bord gehen, anderen Insel­chen, die ich zwar nie betre­ten habe, die aber, davon bin ich über­zeugt, nicht schlimmer sein können als Seri­fos, wo­mög­lich aber, denn hier ist so viel Luft nach oben, weit besser. Wenn man das unter­lässt, gelangt man in den Ha­fen von Livadi, der größten »Stadt« der 1.400-Seelen-Insel. Unser Hotel lag gleich am Strand. Als wir dort an­lang­ten, dämmerte es bereits. In dem Zimmer, das man uns über­gab, der sehr er­schöpf­ten, teil­weise von See­krank­heit ge­zeich­neten Familie, war hier­von je­doch nichts zu be­mer­ken, denn aus einem Grund, der sich uns nie offen­bar­te, hatte man direkt vor unseren Fens­tern ein Stadion­flut­licht mon­tiert. Unserer Bitte, diesen Schein­werfer ab­zu­stel­len, wurde von der Wirts­fa­milie mit größter Bitter­keit Fol­ge ge­leis­tet; bereits an diesem ersten Abend fingen wir uns bei ihr den Ruf ein, kaputte, kom­plett ver­weich­lichte Städter zu sein, denen nichts gut genug ist. Den wurden wir auch da­durch nicht los, dass wir uns gleich am Folge­morgen aber­mals an die Rezep­tion wandten, mit der Frage, ob wir nicht trotz des schlimmen Schein­werfer­auf­wands am Vor­abend vielleicht sogar ein anderes Zimmer haben könnten. Dies ist ein Auszug aus dem Text »Da müssen Sie nicht hin« von den ZEIT-Redakteur:innen Carmen Böker, Sascha Chaimowicz u. a. Lesen Sie hier von wei­teren Reise­zielen, die zunächst nach Traum­urlaub klingen, sich bei näherer Be­trach­tung jedoch als ernüchternd erweisen: HIER WEITERLESEN